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VAG Nürnberg bestellt 12 Avenio Trams bei Siemens Mobility

Siemens liefert 12 vierteilige Avenio Niederflurstraßenbahnen an die VAG Nürnberg - es gibt eine Option auf weitere 75 Züge I © Siemens

Die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft hat Siemens Mobility den Auftrag erteilt, neue Straßenbahnen für Nürnberg zu liefern. Die Basisbestellung umfasst zwölf Niederflurtrams des Typs Avenio, die bis Ende 2022 insbesondere zur Angebotsverstärkung geliefert werden sollen. Zudem beinhaltet der Auftrag Optionen für den Bau von weiteren 75 Fahrzeugen, die voraussichtlich bis 2034 beauftragt werden können.

Steigende Nachfrage, Ausbau des Netzes

Die zwölf Fahrzeuge der Basisbestellung ermöglichen der VAG eine Angebotsverbesserung auf bereits jetzt stark nachgefragten Linien. Dazu gehören unter anderem die Verbindung Hauptbahnhof in Richtung Business Tower sowie verschiedene Linien, die in der Südstadt verkehren. Hier wird der Bedarf in den nächsten Jahren nochmals deutlich steigen; dann nämlich, wenn die dortigen Schulstandorte bis Mitte der 2020er Jahre ausgebaut sind. Die Optionen 1 bis 3 kann die VAG abrufen, wenn die Stadt Nürnberg die politischen Entscheidungen für neue Verbindungen endgültig getroffen hat. So ist beispielsweise geplant, den neuen Stadtteil, der an der Brunecker Straße entsteht sowie die dort geplante neue Universität, mit der Straßenbahn an den ÖPNV anzubinden und von dort aus eventuell zur Messe zu fahren. In der Diskussion ist außerdem die Querung der Altstadt oder Netzerweiterungen im Süden.

Die neuen Straßenbahnen

Die VAG hat nach einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für den Auftrag an Siemens Mobility erteilt. Bei dem Modell Avenio handelt es sich um ein bewährtes Fahrzeug, welches auch bereits in München zum Einsatz kommt. In München befinden sich derzeit 30 zwei- und vier-teilige Avenios der Baujahre 2013 – 17 im Einsatz, weitere 73 Fahrzeuge wurden dieses Jahre bestellt. UTM berichtete darüber bereits hier:
https://urban-transport-magazine.com/73-siemens-avenio-strassenbahnen-fuer-muenchen/

Einer der zuletzt an die MVG München gelieferten, vierteiligen Avenio aus dem Hause Siemens | © UTM

Der Avenio für Nürnberg besteht aus vier Modulen mit jeweils einem eigenen, mittig angeordneten Drehgestell. Er wird für die Bedürfnisse der VAG angepasst werden. So plant die VAG im Zugangsbereich der sechs Doppeltüren sogenannte Multifunktionsbereiche, die mehr Raum bieten für ein zügiges Ein- und Aussteigen, aber auch ausreichend Abstellmöglichkeiten für Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühle sowie in Nebenverkehrszeiten auch für Fahrräder. In den nächsten Wochen und Monaten wird die Aufteilung des Innenraumes auch mit dem für das Fahrzeugdesign verantwortlichen Designer endgültig festgelegt.

Die 14 GT6N der Baujahre 1995 – 96 werden bis zum Jahr 2022 bei Iftec in Leipzig modernisiert | © UTM

Abgesehen von den breiten Doppeltüren sowie den Multifunktionsbereichen dürften bei den Kunden auch die ganzjährige Klimatisierung der Fahrzeuge sowie die WLAN-Ausstattung punkten. Auch aus Sicht der VAG bietet die Bestellung des 2,3 Meter breiten, 36,85 Meter langen und 3,55 Meter hohen Fahrzeuges Pluspunkte. Ist gegen Mitte der 2030er Jahre auch die aktuelle Fahrzeugflotte getauscht, ist in jedem Fall für weitere ca. 20 Jahre nur noch ein Fahrzeugmodell im Einsatz. Dann müssen die Fahrer nur noch auf einem Modell geschult, in der Werkstatt nur ein Modell gewartet und instand gehalten werden. Somit können auch die Lagerkosten für Ersatzteile reduziert werden. Heute besteht der Wagenpark der Nürnberger Staßenbahn aus:

  • 14 GT6N, Adtranz/ Siemens, Baujahre 1995 – 96, die Fahrzeuge unterlaufen derzeit eine Modernisierung bei der Firma iftec
  • 26 GT8N, Adtranz/ Siemens, Baujahre 1999 – 2000, die Fahrzeuge unterlaufen derzeit eine Modernisierung bei der Firma iftec
  • 8 GTV6, Stadler, Baujahre 2006 – 07

Gesamtvolumen

Dank der großen Stückzahl hat die VAG auch für den Basisauftrag einen attraktiven Preis erzielt. Alleine für diesen veranschlagt sie Gesamtkosten in Höhe von 44 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern fördert die Beschaffung der zwölf ersten Straßenbahnen mit rund 40 Prozent der förderfähigen Anschaffungskosten, in Summe rund 14 Millionen Euro. Die Förderung kommt aus verschiedenen Fördertöpfen, nämlich aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und dem Maßnahmenpaket zur Luftreinhaltung des Freistaates Bayern. Dieses soll die Verkehrsunternehmen unter anderem dabei unterstützen, ihre Fahrzeugflotte zu erneuern oder verstärken, um noch mehr Menschen zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen.
Oberstes Ziel des Maßnahmenpaketes der Staatsregierung zur Luftreinhaltung ist nämlich, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen und so die Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit und Umwelt eingehalten werden können. Der ÖPNV gilt hier als wesentlicher Faktor pro Umwelt und Klima.

18.11.2019

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