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Nantes nimmt längsten Elektrobus Europas in Betrieb

Einer der 22 neuen mit Kunst Motiven dekorierten HESS E-Busways vor dem Schloss in Nantes I © Crédit Patrick Garçon/ Nantes Métropole

Im französischen Nantes wurde am 20. August der erste Doppelgelenk-Elektrobus in Betrieb genommen. Der Einsatz der sogenannten HESS lighTram erfolgt auf der bestehenden Bus Rapid Transit Linie auf eigenem Bahnkörper. Die Nachladung des 24 Meter langen Elektrobusses findet über ABB TOSA Ladestationen statt. Bis zum Herbst werden HESS und ABB insgesamt 22 vollelektrische Doppelgelenkbusse in Betrieb setzen und die bestehenden Busse ersetzen.

Bus Rapid Transit in Nantes

Die sogenannte busway Linie 4 ist seit 2006 in Betrieb und verbindet das Stadtzentrum von Nantes (Foch Cathédrale) mit der Porte de Vertou im Süden. Die Linie wurde als „vierte Linie“ in das Straßenbahnnetz integriert und ist mit der modernen Straßenbahn von Nantes vergleichbar. 23 Erdgasbusse werden im 2 bis 3 Minuten-Takt betrieben. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 21 km/h. 2017 beförderte die Linie 9,5 Millionen Passagiere. Dies entspricht etwa 40.000 Passagieren pro Tag entspricht. Mit steigenden Passagierzahlen wurde die Linie 4 zum Opfer ihres eigenen Erfolgs. Die 18 m Busse reichten nicht mehr aus.

Umstellung auf elektrischen Betrieb

Um die Kapazitäts- und daraus resultierenden Qualitätsprobleme zu verbessern und die Emissionen in der Stadt Nantes zu reduzieren, beschlossen Nantes Métropole und der Betreiber Semitan / TAN im Jahr 2016, die Strecke zu „elektrifizieren“ und somit den „Busway“ zu einem „E-Busway“ zu machen. Im Juli 2016 wurde eine Ausschreibung gestartet, die der Schweizer Bushersteller HESS gewann, wobei der schwedisch-schweizerische Elektrohersteller ABB die elektrischen Komponenten liefert. Die erste so genannte lighTram 25 wurde im Dezember 2018 in Nantes vorgestellt.

Seit dem 20. August 2019 ist der erste neue 24-m-HESS-Doppelgelenkbus auf dem e-busway in Betrieb. Im Herbst 2019 werden auch die restlichen 21 Fahrzeuge in Betrieb gehen. Die in der Schweiz gebauten Busse bieten eine um 35% höhere Kapazität als die bisherige 18-Meter-Flotte. Die neuen Busse sollen es dem Betreiber ermöglichen, im Jahr 2020 bis zu 56.000 Fahrgäste pro Tag zu befördern.

ABB TOSA Flash-Nachladung

Die Wiederaufladung erfolgt per „Flash-Charging“ an beiden Endstationen und an zwei Zwischenstationen über einen invertierten Stromabnehmer, der sich auf die Busse herabsenkt. Die Batterien werden in 20 Sekunden mit einer Leistung von von 600 Kilowatt (0,6 Megawatt) aufgeladen, während die Fahrgäste ein- und aussteigen. Das Andocken des Pantographen an den Bus dauert weniger als eine Sekunde und ist laut Herstellerangaben die schnellste Ladetechnologie der Welt. Ein weiterer Ladevorgang von 1 bis 5 Minuten an den Endstellen ermöglicht ein vollständiges Aufladen der Batterien. Die Ladetechnologie wurde von ABB geliefert und ist Teil des TOSA Systems (Trolleybus Optimization Système Alimentation), welches seit 2013 in Genf (Schweiz) demonstriert wird.

Die HESS lighTram 25

Die HESS lighTram 25 ist in der Tat ein Bus mit mehreren Eigenschaften einer Straßenbahn, wie z. B. das Außendesign und der Länge von 24,38 m. Die dreiteiligen Fahrzeuge können 150 Fahrgäste befördern, davon 40 sitzend und 108 stehend. Zudem gibt es Platz für zwei Rollstühle.

Die Busse sind mit ABB-Antriebstechnik ausgestattet, die Traktions- und Hilfsstromrichter, Permanentmagnet-Traktionsmotoren, Dachbatterieeinheiten und Energieübertragungssysteme umfasst.

Die neuen E-Busse wurden mit einer neuen Lackierung ausgestattet, die 2016 eingeführt wurde. Die neue Lackierung ist eine Mischung aus geschwungenen Linien, schwarzen Fensterstreifen und weißen Flächen. Die Lackierung ist außerdem mit einer grünen Linie versehen, der Hausfarbe des Betreibers Semitan / TAN. Das Farbschema wurde gemeinsam durch die lokale Firma GRAPHIBUS und Semitan entwickelt. Zudem wird die Dachkante aller 22 Fahrzeuge mit Designmotiven von 22 verschiedenen Künstlern dekoriert. Die neue Semitan/ TAN Lackierung wird zukünftig auch auf alle neuen und vorhandenen Busse angewendet. Das innovative Sitzlayout wurde von der italienischen Firma RUSPA geliefert. Das sogenannte citipro-Sitzmodell ist semitransparent, beleuchtet und mit USB-Anschlüssen ausgestattet.

Das Projekt

Der e-busway ist das erste Projekt seiner Art in Europa. Das Gesamtbudget für die Umsetzung beträgt 52,9 Mio. € einschließlich der Beschaffung der 22 HESS-Fahrzeuge. In Vertou wurde eigens für den die E-Busse ein neues Depot mit einer Ladestation eingerichtet. Entlang der Linie 4 wurden die  Bahnsteige und kleinere Infrastrukturanpassungen vorgenommen, um den Betrieb der neuen E-Busse zu ermöglichen. Die im Jahr 2006 beschafften 23 Citaro O 530 mit Erdgasantrieb werden auf die sogenannte Chronobus-Linie C5 überstellt, die im Frühjahr 2020 in eine busway-Linie umgewandelt mit einem eigenen Bahnkörper ausgestattet wird. Die 6 km lange Linie verbindet den SNCF-Bahnhof Süd mit dem „Hangar à Bananes“ und wird als Buslinie 5 bezeichnet.

29.09.2019

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Harald Tschirner
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Harald Tschirner

Warum muss man, wenn man ein funktionierendes Straßenbahnetz hat, ein Busway bzw. E-Busway konstruieren? Wie man es auch nennt, es sind doch nur Busse und die sind in meinen Augen immer Beförderung auf unterster Stufe!