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Monterrey/ Mexiko, kauft 24 durch Talbot Services modernisierte U3-Stadtbahnwagen der VGF Frankfurt/ Main

Metrorrey, der U-Bahn-Betreiber der nordmexikanischen Stadt Monterrey im Bundesstaat Nuevo Léon, hat kürzlich einen Vertrag über den Kauf von 24 gebrauchten Stadtbahnfahrzeugen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt/Main unterzeichnet. Die Züge wurden im Jahr 2017 in Frankfurt außer Dienst gestellt und werden durch Talbot Services modernisiert. Sie passen in Punkto Abmessungen und Anforderungen perfekt zum Stadtbahn-/ Metrosystem von Monterrey. Die Abmessungen der knapp 40 Jahre alten Fahrzeuge sind sogar nahezu identisch mit den Hochflur-Zügen des Typs B der Hersteller Concarril/ Bombardier, die in Monterrey im Einsatz sind.

Zweiterstellung durch Talbot Services

Nach ersten Verhandlungen im Jahr 2018 wurde im November 2018 eine Vereinbarung zwischen den beiden Betreibern Metrorrey und VGF Frankfurt unterzeichnet. Zunächst wurde der Modernisierungsauftrag an die Firma Ferrostal vergeben, doch aus verschiedenen Gründen trat die Firma aus dem Vertrag zurück. Anfang des Jahres wurde der Aachener Bahn- und Transporthersteller Talbot Services, dessen Werk ehemals Bombardier gehörte, mit der Zweiterstellung der Züge beauftragt.

Die sogenannten U3-Stadtbahnwagen wurden zwischen 1979 und 1980 von der DUEWAG, der ehemaligen Düsseldorfer Waggonfabrik, für Frankfurt entwickelt und gebaut. Die insgesamt 27 U3-Fahrzeuge wurden auf den Frankfurter Linien U4 und U6 eingesetzt, bis sie durch die neuen Bombardier U5-Züge ersetzt wurden.

Die U3-Fahrzeuge haben eine Länge von 25,68 m und eine Breite von 2,65 m mit 64 Sitz- und 182 Stehplätzen. Von der gesamten Flotte bleiben drei Fahrzeuge als historische Züge in Frankfurt und die restlichen 24 Fahrzeuge sind jetzt für Monterrey vorgesehen. 

Um allen Anforderungen in Bezug auf Komfort, Sicherheit und Leistungsfähigkeit gerecht zu werden, erhalten die Fahrzeuge auch eine neue Antriebsanlage. Darüber hinaus werden die Fahrzeuge mit WLAN, Klimaanlagen, neuen Rädern, LED-Beleuchtung, neuen Böden und Inneneinrichtungen, modernen Fahrgastinformation, neuer Verkabelung, Kamerasystemen und dem ETCS-Signalsystem ausgestattet. Die Kosten dafür betragen 1,6 Mio. EUR pro Fahrzeug – insgesamt 38,4 Mio. EUR. Laut lokalen Medienberichten haben sich die Kosten auf 1,75 Millionen Euro erhöht, was Gesamtkosten in Höhe von 42 Millionen Euro bedeuten würde. Diese Summe ist immer noch deutlich niedriger als der Kauf von Neufahrzeugen, die schätzungsweise mehr als das Doppelte kosten würden.

Durch die vollständige Sanierung wird die Lebensdauer der Züge um 20 Jahre verlängert. Das „neue“ Rollmaterial wird zur Erhöhung der Frequenzen und Dienste auf den Linien 1 und 2 eingesetzt, auf denen nach der Eröffnung der Linie 3, die mit 26 neu gebauten Fahrzeugen betrieben werden soll, ebenfalls mit Fahrgastzuwächsen zu rechnen ist.

Talbot Services ist Generalunternehmer für das Projekt beauftragt. Das Ingenieurbüro Prose ist für den mechanischen und Schaltbau Refurbishment für den elektrischen Teil zuständig. Die ersten beiden Fahrzeuge sollen im August 2020 nach Mexiko verschifft werden. Der Rest soll schrittweise in Gruppen von vier Zügen verschifft werden.

Die Metro von Monterrey

Die Metro von Monterrey, im Allgemeinen als Metrorrey bezeichnet, ist ein vollständig stufengetrenntes Hochflur-Stadtbahnsystem, das derzeit aus zwei Linien besteht. Das Netz hat eine Länge von 32 km. Eine dritte Linie ist im Bau. Es handelt sich dabei um eine 7,5 km lange Verlängerung der aktuellen Linie 2, die dann eine „U-Form“ bilden wird. Die Einweihung ist für 2020 geplant, obwohl die Infrastruktur laut Medienberichten nahezu fertiggestellt ist.

Die erste Metrorrey-Linie wurde 1991 eröffnet. Linie 2 folgte im Jahr 1994. Das gesamte Streckennetz wird mit 84 zweiteiligen Zügen betrieben, die teilweise als Doppel- und Dreifachtraktionen zum Einsatz kommen. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 177,6 Millionen Fahrgäste befördert, was einer durchschnittlichen täglichen Fahrgastzahl von 467.000 Passagieren für beide Linien entspricht.

Talbot Services

Der sogenannte Triebwagenhersteller Waggonfabrik Talbot wurde 1838 in Aachen gegründet. Das Unternehmen war einer der ersten Eisenbahnhersteller in Deutschland überhaupt und lieferte auch Triebwagen an die Niederländischen Staatsbahnen (Nederlandse Spoorwegen).

In den 1990er Jahren entwickelte das Unternehmen den Talent Triebzug (als Abkürzung für „Talbot Elektrischer Nahverkehrs Triebwagen“). Später wurde Talbot von Bombardier übernommen. Bombardier gab die Schließung des Werks im Jahr 2012 bekannt. Ab 2013 war das Werk unter dem Dach der neugegründeten Firma Talbot Services für die Wartung von Schienenfahrzeugen und für Elektrofahrzeugen zuständig, wobei der StreetScooter Elektrolieferwagen von DHL und der Deutschen Post die bekannteste Entwicklung ist. ScreetScooter wurde in der Zwischenzeit von DHL aufgekauft.

Einen Netzplan und weitere Bilder gibt es an folgender Stelle:

http://www.urbanrail.net/am/mony/monterrey.htm

18.10.2019

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