Urban Transport Magazine
Der Öffentliche Personen-Nahverkehr in Stadt und Region
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Historische Fahrzeuge beim O-Bus Eberswalde

(v.l.n.r.) Berliner O-Bus 488 (Baujahr 1957), Škoda 14 Tr und Škoda 9 Tr während des Veteranentreffens am 4. Mai 2019 in Eberswalde

Jährlich findet in Eberswalde das sogenannte Veteranentreffen statt. Dabei handelt es sich nicht um altgediente Soldaten, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern um Oldtimer auf Rädern – es werden historische O-Busse und Straßenfahrzeuge ausgestellt.

Neben alten Wartburgs, Trabants und BMW’s gab es zum 17. Veteranentreffen am 4. Mai 2019 auch zahlreiche historische O-Busse zu bewundern. Auf dem Betriebshof Nordend der Verkehrsbetriebe BBG (Barnimer Busgesellschaft) fand das alljährliche Veteranentreffen, welches der Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.v. (DVN, http://www.dvn-berlin.de/) unterstützte. Mit den historischen O-Bussen des DVN wurden stündliche Rundfahrten durch die Stadt unternommen.

Gezeigt wurden dabei folgende O-Busse:

Škoda 9Tr (Baujahr 1969) mit Lowa Anhänger (Typ W701, Baujahr 1959) am Markt in Eberswalde I UTM
  • Škoda 9Tr (Baujahr 1969) mit Lowa Anhänger (Typ W701, Baujahr 1959): In den Jahren 1962 bis 1970 wurden für die 11 DDR-Obusbetriebe insgesamt 134 Obusse vom Typ 9Tr beschafft. Insgesamt baute Škoda bis 1982 weltweit insgesamt 7.452 Obusse dieses Typs. Eberswalde beschaffte 15 fabrikneue und 7 gebrauchte 9Tr‘s, die jeweils von den stillgelegten Betrieben Berlin, Dresden und Gera übernommen wurden. Einige Wagen waren für den Betrieb mit LOWA-Anhängern aus DDR-Produktion ausgerüstet. O-Bus 31 (1984 ex 19) wurde 1988 ausgemustert und in mühevoller Kleinarbeit restauriert. Der LOWA Anhänger des Typs W701 aus dem Jahre 1959 wurde erst kürzlich restauriert. Erstaunlich: Der Anhängerbetrieb in Eberswalde ist als letzter auf öffentlichen Straßen in Deutschland im Jahre 1985 aufgegeben worden.
Škoda 14Tr auf einem O-Buskorso im Brandenburgischen Viertel 1997 | Dirk Budach
  • Škoda 14Tr (Baujahr 1983/ 84): In den 1960er und 70er Jahren wurden sowohl in West- als auch in Ostdeutschland zahlreiche O-Busbetriebe aus Fahrzeug- und Investitionsmangel stillgelegt. Nach der Ölkrise in den 1970er Jahren gewann das System O-Bus aber wieder an Wichtigkeit und es folgten daraufhin wieder Investitionen in die wenigen verbliebenen Betriebe.  Der erfolgreiche Testeinsatz eines neuartigen 14Tr in Weimar in den Jahren 1983/84 war Auslöser für eine Bestellung von insgesamt 20 O-Bussen für die noch bestehenden Betriebe in Eberswalde (3), Potsdam (5) und Weimar (12). Es handelte sich dabei wohlgemerkt um die erste Fahrzeugneubestellung seit 13 Jahren. Interessant ist, dass die Fahrzeuge einer Serie für das damals jugoslawische Sarajewo (Winterolympiade 1984) entstammen, die die Importeure auf Grund von Qualitätsmängeln nicht abnahmen. Die Fahrzeuge wurden in Eberswalde instandgesetzt. Insbesondere die erstmals in Eberswalde eingesetzte robuste und wartungsarme sowie energiesparende Thyristorsteuerung waren eine Neuheit. Von 1981 bis 2004 wurden mehr als 3.400 O-Busse des Typs 14Tr gebaut. Der historische O-Bus in Eberswalde stammt ursprünglich aus Weimar, von wo er 1985 nach Potsdam gelangte.
  • Nach der Einstellung des Potsdamer O-Busbetriebes im Jahr 1995 wurde der Potsdamer Wagen 976 (1988 ex 406, 1985 ex Weimar 8003) mit Hilfe der Verkehrsbetriebe Potsdam – vom Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. für museale Zwecke übernommen und ist seit 1996 als historisches Fahrzeug betriebsbereit.
O-Bus der BVG Berlin (West) aus dem Jahr 1957 – er kam bis zur Einstellung des O-Bus Betriebes in Westberlin im Jahr 1965 zum Einsatz und ist heute betriebsfähig in Eberswalde erhalten, hier im Mai 2015 in Eberswalde I UTM
  • BVB Berlin O-Bus 488, BVG Berlin (Baujahr 1957, Hersteller: Montage in der BVG-Hauptwerkstatt, Karosserie: Gaubschat aus Berlin Neukölln, elektrische Ausrüstung: AEG/ Henschel): Die BVG beschaffte 1957 sechs O-Busse dieses Typs, die in der eigenen Hauptwerkstatt montiert wurden. Das Fahrzeug zeichnet sich durch eine damals neuartige selbsttragende Stahl-Aluminium-Karosse, die indirekte elektropneumatische Fahr- und Bremssteuerung und eine 72-Volt-Batterienotfahreinrichtung aus. Ähnlich wie die heutigen modernen „Hybrid-O-Busse“, konnte der Wagen auf einer Strecke von etwa 1,5 km Strecke oberleitungsfrei bewegt werden. O-Bus 488 kam auf dem vierten Oberleitungsnetz in Berlin zum Einsatz, welches bis 1965 existiere. Es bestand aus zwei nicht miteinander verbundenen Teilnetzen mit bis zu 3 Linien in den Bezirken Spandau und Steglitz. Betrieben wurde das Netz durch die Berliner Verkehrs-Gesellschaft, die im Jahr 1938 in Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG) umbenannt wurde. Nach 1949 wurde der O-Bus durch die BVG in West-Berlin weitergeführt und schließlich 1965 eingestellt. Auch im Ostteil der Stadt bestand von 1951 bis 1973 ein O-Bus System mit bis zu 4 Linien, die in den Stadtbezirken Mitte, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Lichtenberg verkehrten.
Der Ikarus Gelenkobus 405 wurde anlässlich des 75jährigen Jubiläums des Eberswalder O-Busses aus Budapest übernommen | UTM
  • Ikarus 405 (Baujahr 1987): Nachdem im Jahr 1995 alle 25 Eberswalder Ikarus O-Busse ausgemustert und 10 von ihnen an den O-Bus Betrieb nach Timisoara nach Rumänien gelangten, beschaffte die BBG von den Budapester Verkehrsbetrieben im Jahr 2015 anlässlich des 75jährigen Jubiläums den Ikarus-Gelenkobus 280.94 aus Budapest (ex 205), der in Eberswalde mit der Nummer 405 versehen wurde

Der Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin (DVN) e.V. verfügt darüber hinaus noch über folgende weitere historische O-Busse:

  • O-Bus 1224, BVG Berlin, Baujahr 1941, Hersteller Waggonfabrik Schumann (Werdau in Sachsen); der älteste O-Bus in Deutschland
  • Kriegseinheitsobus Normgröße II (ex Wilhelmshaven Nr. 76), Baujahre 1942 – 45, wurde 2003 als Gartenlaube entdeckt und wird jetzt mittels Spenden aufgearbeitet; ähnliche Fahrzeuge der Normgröße I kamen auch in Eberswalde zum Einsatz
  • Lowa Obus W602a (Baujahr 1953): Sowohl die Ostberliner Verkehrsbetriebe (BVG – später BVB) als auch Eberswalde beschafften in der Nachkriegszeit derartige Fahrzeuge. Die Lowa O-Busse wurden mit Lowa Anhängern der Type W700 bis zur Einstellung des Lichtenberger Netzes 1973 eingesetzt. Im Jahr 1988 konnte ein Anhänger und 1989 der Obus Nr. 1520 entdeckt werden. Beide Fahrzeuge befinden sich zur Zeit in Aufarbeitung.

Der O-Bus von Eberswalde wird im Volksmund auch Strippenbus beziehungsweise Strippenexpress genannt. Neben den Betrieben in Esslingen am Neckar und Solingen ist er der einzige von drei verbliebenen O-Bussystem in Deutschland. Der Eberswalder O-Bus wurde am 3. November 1940 eröffnet und ist somit der älteste deutsche O-Bus-Betrieb. Auf einer Fahrleitungslänge von 37,2 Kilometern verkehren heute zwei Linien, die typenrein mit 12 Solaris Trollino 18 AC Gelenkobussen mit elektrischer Ausrüstung von Cegelec betrieben werden. Die MAN/ ÖAF Gräf & Stift NGE Niederflurobusse aus den Jahren 1993/ 94 wurden nach der Inbetriebnahme der Solaris Fahrzeuge in den Jahre Jahr 2011/ 12 nach Budapest abgegeben.

02.06.2019