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Die Metro von Mexico City feiert ihr 50jähriges Jubiläum

Ein Großteil der Metro von Mexico City wird mit Triebzügen betrieben, die auf dem Ursprungsmodell der ersten Bauserie aus dem Jahr 1968 beruht: Neun-teiliger NC-82 der Linie 9 auf aufgeständerter Trasse am Bahnhof Ciudad Deportiva. Bombardier baute in Jahren 1982 – 87 insgesamt 20 Züge dieser Bauart in Kanada I Foto: UTM

Sogar das Google Doodle – so nennt Google sein Logo welches anlässlich von besonderen Anlässen personalisiert wird – wurde zum 50. Geburtstag der Metro von Mexico City (Mexiko Stadt) auf der Mexikanischen Google Seite mit den Symbolen der Metro von Mexico City dekoriert. Am 4. September 2019 wurde die U-Bahn von Mexiko-Stadt 50 Jahre alt. An diesem Tag im Jahr 1969 nahm Mexikos erste 12,7 km lange U-Bahn Linie des sogenannten Sistema de Transporte Colectivo (STC) zwischen den Bahnhöfen Chapultepec und Zaragoza den Betrieb auf. Im Einweihungszug saßen der damalige Präsident Gustavo Días Ordaz und der Bürgermeister der Stadt, Alfonso Corona del Rosal. Der kommerzielle Betrieb der Linie 1 wurde am 5. September 2019 aufgenommen. Das rollende Material wurde von der damaligen französischen Firma Alsthom (heute Alstom) geliefert. Die gummibereifte Metro der Type MP68 (MP für Metro Pneumatique) wurde in Paris gebaut und nach Mexiko verschifft. Alsthom lieferte zwischen 1968 und 1970 insgesamt 60 Züge. Die Metro-Fertigung in Mexiko begann im 1972 im Werk von Concarril, heute Teil von Bombardier Transportation.

Die Geschichte der Metro von Mexico City

Die Hauptmotivation für den Bau der U-Bahn in Mexico City war das massive Bevölkerungswachstum in den 1950er und 1960er Jahren. Mexico City hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts 540.000 Einwohner. 1953 stieg die Zahl auf 3,5 Millionen und 1960 lebten in der Stadt 4,5 Millionen Menschen. Das bestehende Straßenbahn-, O-Bus- und Bussystem reichte nicht aus, um die Verkehrsnachfrage zu erfüllen. Erste Planungen für eine U-Bahn begannen bereits in den 1950er Jahren. Aufgrund der geografischen Lage Mexikos, die immer wieder zu starken Erdbeben führt, scheute die Regierung lange Zeit davor, eine U-Bahn zu bauen. Nach mehreren technischen Studien genehmigte die Verwaltung von Días Ordaz den U-Bahn-Plan und den Bau, der 1967 begonnen wurde. Der erste Abschnitt der Linie 1 verläuft vollständig unterirdisch und wurde mit der Cut-and-Cover-Methode gebaut. Während dieser und den anschließenden Ausbauphasen wurden im Boden von Mexico City immer wieder aztekische Relikte entdeckt. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da die Spanier die aztekische Hauptstadt Tenochtitlán zerstörten um an derselben Stadt die neue Hauptstadt Mexico City aufzubauen.

Das heutige Metro-Netz

In den kommenden Jahrzehnten wurde die mexikanische U-Bahn stark ausgebaut. STC, der Betreiber, betreibt heute ein Netz von 200,8 km mit 25,7 km Betriebsstrecke – insgesamt also 226,5 km. Das Netz besteht aus 12 Linien, von denen 10 gummibereift sind. Es handelt sich dabei um dasselbe System wie bei der Metro Paris und Montréal. Man erhoffte sich durch die Gummibereifung bessere Beschleunigung, mehr Komfort und eine höhere Sicherheit gegen Entgleisen. Zwei Linien, Linie A und Linie 12, wurden mit Stahlrädern ausgeführt. Eine Chronologie der Streckenerweiterungen befindet sich hier: https://www.metro.cdmx.gob.mx/cronologia-del-metro

Täglich nutzen mehr als 5,5 Millionen Fahrgäste die U-Bahn. Der Wagenpark besteht aus 3.333 U-Bahnen, die in Sechs-, Sieben- und Neun-Wagen-Zügen gekoppelt sind. CAF liefert derzeit 16 neue NM-16-Züge, die in Mexiko gebaut wurden und auf Linie 1 zum Einsatz kommen. Weitere Investitionen in Schienenfahrzeuge sind geplant, da der Wagenpark und Betrieb an den Alterserscheinungen leiden.

Symbole und Kultur der Metro

Der kanadische Designer Lance Wyman entwickelte 1968/67 eine spezielle Ikonografie und ein Branding für die U-Bahn, welches bis heute verwendet wird. Jede Linie hat ihre eigene Farbe. Die meisten Mexikaner kennen gar nicht die Liniennummer, sondern beziehen sich immer auf die Farbe ihrer Linie, zum Beispiel die rosa oder die blaue Linie, anstatt Linie 1 oder Linie 2 zu sagen. Außerdem wurde jede Station mit einem speziellen Symbol versehen, das die Bedeutung der Station darstellt. Dadurch wird die Orientierung für jüngere Menschen, Analphabeten und Ausländer wesentlich erleichtert. Außerdem sind die Symbole kreativ und machen die U-Bahnfahrt zum Erlebnis.

Darüber hinaus dient die Metro auch als Raum für Kunst und Geschichte. In zahlreichen Stationen wurde Relikte (oder entsprechende Kopien) aus der Zeit der Azteken und Mayas ausgestellt und Bahnhöfe mit Kunstobjekten und Malereien dekoriert. Eine besondere Art des kulturellen Austausches zwischen Mexiko und Frankreich ist der Metrozugang des französischen Architekten Guimard am Bahnhof „Bellas Artes“.

Die Feierlichkeiten zum 50sten Jubiläum

Das Jubiläum der U-Bahn wurde von einer Reihe kultureller und historischer Ereignisse begleitet. In der Innenstadt gaben mehrere mexikanische Künstler wie „La Sonora Dinamita“, „Santenera“ und „Flor Amargo“ am Wochenende 6., 7. und 8. September Konzerte. Es wurden außerdem mehrere historische Führungen sowie ein Kurzfilmfestival organisiert.

Kritische Stimmen

Für viele ist der 50. Geburtstag auch ein Anlass, sich mit der aktuellen Situation der U-Bahn auseinanderzusetzen. Die finanzielle und technische Situation der U-Bahn kann nach jahrzehntelanger Unterinvestition kritisch bezeichnet werden. Nur ca. 73% der Fahrzeuge sind betriebsbereit, während der Rest außer Betrieb oder abgestellt ist. Abgesehen von den 16 neuen CAF-Zügen, die derzeit ausgeliefert werden, erfolgte die letzte umfangreiche Erneuerung der Flotte in den Jahren 2002 bis 2006 mit der Auslieferung der NM-02-Flotte, die von Bombardier Transportation México und CAF gebaut wurde. Viele Züge stammen aber aus den 1960er und 1970er Jahren. Sowohl Bahnhöfe, die Infrastruktur und die Signaltechnik, wurden seit Jahrzehnten nicht mehr modernisiert, was zu Verspätungen, Ausfällen und geringer Zuverlässigkeit – insbesondere in der Hauptverkehrszeit – führt. Zudem leidet das System an Überfüllung. Medienberichten zufolge will die im Dezember 2018 gewählte neue Regierung von Claudia Sheinbaum in die Infrastruktur und Wagenpark modernisieren.

09.09.2019

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